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Warum der sechspolige Tag-Connect anders zählt

Wer zum ersten Mal ein Tag-Connect-Pattern in sein Layout setzt, stolpert über eine Merkwürdigkeit: Der sechspolige TC2030 zählt anders als der zehn- und der vierzehnpolige — bei identischer Anordnung der Kontakte. Das ist kein Fehler im Datenblatt und keine Nachlässigkeit, sondern die Spur einer Designentscheidung aus der Frühzeit des Systems.

Der Unterschied in einem Satz. Die Anordnung ist bei allen drei Familien dieselbe: zwei Reihen, Kontakte exakt übereinander. Verschieden ist allein die Zählung. Beim TC2030 bilden je zwei Nummern ein Paar in einer Spalte — 2 über 1, 4 über 3, 6 über 5. Bei TC2050 und TC2070 zählt die untere Reihe durch, und die obere läuft rückwärts zurück.

TC2030 — sechs Kontakte, paarweise

Jede Spalte trägt ein Nummernpaar. Genau so ist auch der IDC-Stecker aufgebaut: Pin 1 und Pin 2 liegen sich gegenüber, dann 3 und 4, dann 5 und 6. Wer den Stecker vor Augen hat, kann das Pattern unmittelbar danach zeichnen.

Kontaktanordnung TC2030: untere Reihe 1, 3, 5, obere Reihe 2, 4, 6, jeweils exakt übereinander

TC2030, Blick auf die Leiterplatte. Kupferfarben = Federkontakt, Kreis mit X = Stahlstift zur Führung. Je Spalte ein Nummernpaar — dieselbe Zuordnung wie am IDC-Stecker. Schematisch; verbindliche Maße stehen in der Herstellerzeichnung.

TC2050 und TC2070 — zehn bzw. vierzehn Kontakte, umlaufend

Die Anordnung ist unverändert, die Zählung nicht: Die untere Reihe zählt von links nach rechts durch, dann springt sie nach oben und läuft rückwärts zurück. Beim TC2050 sitzt die 6 über der 5 und die 10 über der 1 — ein Paar bildet also nicht mehr eine Spalte, sondern die beiden Enden.

Kontaktanordnung TC2050: untere Reihe 1 bis 5, obere Reihe 10 bis 6, bündig übereinander

TC2050. 10 über 1, 9 über 2, 8 über 3 — die Zählung läuft am rechten Ende um.

Kontaktanordnung TC2070: untere Reihe 1 bis 7, obere Reihe 14 bis 8, bündig übereinander

TC2070. Dasselbe Schema mit sieben statt fünf Kontakten je Reihe: 14 über 1, 8 über 7. Auch hier drei Stahlstifte — einer links, zwei rechts.

Die Zuordnung zum IDC-Stecker

Beim TC2030 liegen die Nummern am Pattern genauso zueinander wie am IDC-Stecker: Pin 1 gegenüber Pin 2, 3 gegenüber 4, 5 gegenüber 6. Wer den Stecker im Kopf hat, kann das Pattern direkt danach zeichnen.

Bei den größeren Familien gilt das nicht mehr. Die Nummern stimmen weiterhin überein — Kontakt 7 ist Signal 7 —, aber ihre Lage ist eine völlig andere.

Familie Untere Reihe Obere Reihe Gegenüber liegt Lage wie IDC?
TC2030 1 · 3 · 5 2 · 4 · 6 n und n+1 ja, 1:1
TC2050 1 · 2 · 3 · 4 · 5 10 · 9 · 8 · 7 · 6 n und 11−n nein, Umlauf
TC2070 1 … 7 14 … 8 n und 15−n nein, Umlauf

Warum der Bruch existiert

Der TC2030 war der erste. Das Problem, das er lösen sollte: Programmiersteckverbinder waren zu groß und zu teuer. Angebunden wurde an Microchip-Programmiergeräte, und die kamen über eine RJ12-Buchse — sechs Adern, ein Schema, das mit dem Tag-Connect-Pattern nichts gemein hat.

Das war damals kein Hindernis: Was sich über das RJ12-Kabel führen ließ, ließ sich ebenso über ein sechspoliges IDC-Flachbandkabel führen — ohne Verrenkungen. Die Entscheidung, das Kabel wahlweise aus Einzeladern oder aus Flachbandkabel aufzubauen, war damit naheliegend.

Bei drei Kontakten je Reihe fiel dabei nicht auf, dass sich zwei Rastermaße widersprechen: der Abstand, den die Federkontakte brauchen, und der Abstand der Adern im Flachbandkabel. Über drei Positionen summiert sich die Differenz noch nicht.

Vergleich der Aderführung: paarweise Zählung mit gestauchten Adern gegenüber umlaufender Zählung mit einer Faltung

Der Grund für den Bruch. Links die paarweise Zählung: Das sechsadrige Band ist bereits breiter als das Pattern, die Adern müssen gestaucht werden, und weil 1 und 2 in derselben Spalte liegen, muss jede ungerade Ader am Gegenpad vorbeigeführt werden. Rechts die umlaufende Zählung: Die untere Reihe wird in einem Zug belegt, am rechten Ende um 180° gefaltet und über der oberen Reihe zurückgeführt — dabei kehrt sich die Reihenfolge um, und genau deshalb steht die 10 über der 1. Schematisch; die Zeichnung zeigt das Prinzip, nicht den Fertigungsablauf.

Mit der Erweiterung auf zehn und schließlich vierzehn Kontakte kippte die Rechnung. Das Flachbandkabel hätte über lange Abschnitte geschlitzt werden müssen, und die Adern wären sich beim Auflegen auf die Federkontakte gegenseitig im Weg gewesen.

Der Ausweg. Ein Schema, dessen Rastermaß von 1,27 mm exakt dem entspricht, was aus dem Flachbandkabel ankommt. Damit lässt sich eine Reihe vollständig auflegen, das Kabel um 180° falten und auf der anderen Seite zurückführen — eine Trennung statt vieler, und keine kreuzende Ader.

Der TC2030 blieb, wie er war. Ihn zu ändern hätte jedes bestehende Layout gebrochen — und bei drei Kontakten je Reihe funktioniert das alte Schema ja weiterhin. Deshalb tragen die Familien bis heute zwei verschiedene Zählungen.

Woher wir das wissen

Diese Seite ist keine Zusammenfassung von Herstellerunterlagen. Wir arbeiten seit 2013 mit diesen Kabeln — wir setzen sie selbst ein, vertreiben sie und begleiten Kunden bei ihren Layouts. Was hier steht, stammt aus dieser Praxis, und zu einem Teil daraus, defekte Kabel aufzumachen und nachzusehen, wie sie innen aufgebaut sind.

Deshalb steht hier auch, warum etwas so ist, und nicht nur, dass es so ist. Für Maße, Toleranzen und Freigaben bleiben die Datenblätter des Herstellers maßgeblich; für die Frage, weshalb der Sechspolige aus der Reihe tanzt, finden Sie dort nichts.

Was das für Ihr Layout bedeutet

  • Nicht vom TC2030 auf die größeren schließen. Wer das Sechspol-Pattern verstanden hat und das Zehnpol-Pattern danach zeichnet, dreht die obere Reihe um.
  • Beim Umstieg von 6 auf 10 Kontakte das Pattern neu aufsetzen, nicht erweitern.
  • Die Signalnummer bleibt die Signalnummer. Verwechselt wird nicht das Signal, sondern seine Position — und das fällt erst beim ersten Anstecken auf.
  • Der Stahlstift ist die Referenz, nicht die Kontaktreihe. Er legt die Orientierung fest.

Passendes Kabel

Steht die Entscheidung für eine Familie, führen diese drei Wege direkt zu den Kabeln — jeweils mit und ohne Führungsbeine, sowie in den herstellerspezifischen Ausführungen.

Wer aus der Microchip-Welt kommt und den RJ12-Weg kennt: Die passenden Adapter stehen unter Microchip (ICD/ICSP).

Verbindlich für Maße, Toleranzen und Freihaltebereiche sind allein die Datenblätter von Tag-Connect.